„Manche Trends kann man getrost auslassen“

Felicitas Neidel ist gebürtige Hamburgerin und hat mit ihren 25 Jahren bereits zwei Töchter. An der AMD Hamburg studierte sie bis vor kurzem noch Raumkonzept und Design. Gerade hat sie ihre Bachelorarbeit abgegeben und hofft auf einen Job als Innenarchitektin. Derzeit lebt sie mit ihrer Familie im Hamburger Vorort Blankenese. Wie sieht sie den Stil der Hamburger? Was unterscheidet ihn von dem der Berliner? Was ist ihr an Mode wichtig und inwieweit spielt Nachhaltigkeit eine Rolle? Das alles im Interview.

Nadja: Du bist gebürtige Hamburgerin, hast aber auch schon zeitweise in Berlin gelebt. Was zog dich zurück in die Hansestadt?

Felicitas: Geboren wurde ich in Hamburg, nur zogen wir zwischendurch für einige Jahre nach Berlin, dort kam ich aber nie so richtig an, weswegen ich noch während der Schulzeit zu meinem Vater nach Hamburg zurück ging. Ich mag die trockene Art der Hamburger und die Elbe vor der Tür. 

Nadja: Was ist deiner Meinung nach „typisch Hamburg“?

Felicitas: Franzbrötchen, Doppelreihen Blazer mit Goldknöpfen und grauer Hose,  zurückhaltend, weltoffen und dabei auch irgendwie konservativ.

Nadja: Was ist deiner Meinung nach der Unterschied zwischen Berlin und Hamburg, im Bezug auf das Lebensgefühl, die Bewohner aber vor allem auch den Stil? 

Felicitas: In Hamburg trifft man immer irgendjemanden. Es ist einfach eine viel kleinere Stadt, das kann man gut oder schlecht finden – ich liebe es. Die Wege sind auch kürzer! Berlin hat kulturell gesehen mehr zu bieten und auch die Mode ist aufregender. Hamburg ist meiner Meinung nach keine richtige Modestadt. Wenn ich in Berlin bin, hab ich das Gefühl, die Menschen sind „wirklich“ stylisch, nicht verkleidet.

Nadja: Hamburg ist in deinen Augen also keine Modestadt? Wieso siehst du das so?

Felicitas: Ich habe manchmal das Gefühl, die Leute in Hamburg versuchen zwanghaft stilvoll zu sein. Die breite Masse wirft einen Blick in die Magazine und kauft nach. So entsteht dieser typische Instagram-Stil – beinahe einheitlich und nicht mehr individuell. Klar gibt es dann auch die Leute, die sich durch ihren Stil abheben, aber ich meinte damit die breite Masse. In Berlin ist es etwas anders: hier herrscht Vielseitigkeit, vor allem auch dadurch bedingt, dass die Hauptstadt viel internationaler ist. Ich glaube hier in Hamburg könnte jeder stylisch sein, wenn er nicht so viel konsumieren würde. Billige Schuhe sind dabei ein absoluter Style-Killer. Ich finde, wenn man stilvoll aussehen will, sind hochwertige Schuhe und Taschen ein absolutes Muss. Lieber die richtigen Teile kaufen und diese lange tragen!

 

Nadja: Wie hat sich dein Stil in den letzten Jahren gewandelt? Hat es auch etwas mit deinem Umzug nach Hamburg zu tun?

Felicitas: Vielleicht kann man das andersherum betrachten. Ich bin in meiner Berliner Schule nicht sehr glücklich gewesen, weil ich schon in der Pubertät (auch durch meine Kleidung) angeeckt bin. Natürlich hat sich mein Stil aber auch im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Ich bin mutiger geworden, habe Praktika in London und Berlin gemacht, bin gereist und hab auch innerhalb Hamburgs in mehreren Vierteln gelebt. Die Stärke, dass mir egal ist was andere von mir denken, musste ich erst lernen. 

 

 

Nadja: Wie ist deine Einstellung zur Mode? Was ist dir wichtig? Worauf legst du wert beim Kleiderkauf?

Felicitas: Mir ist wichtig, dass ich meine Sachen gut kombinieren kann. Auf Drucke und Motive stehe ich nicht. Basic Outfits pimpe ich mit coolen Taschen, Schuhen oder Ohrringen auf. Ich kaufe auch nur Teile, von denen ich glaube sie lange tragen zu können. Wenn ich etwas nicht mehr mag, gebe ich es weiter bevor es untragbar ist. Inzwischen ist mir auch die Qualität wichtig, das war mit 18 nicht unbedingt der Fall. Außerdem versuche ich Impulskäufe zu vermeiden. Manche Trends kann man getrost auslassen!

Nadja: Du nähst dir oft Klamotten selbst. Seit wann und wie hast du es gelernt? Was begeistert dich daran und woher nimmst du deine Inspiration?

Felicitas: Für meine Kinder nähe ich mehr als für mich. Wenn mir aber mal ein Kleidungsstück nicht mehr passt, oder gefällt, nähe ich es um. Früher habe ich Kleidung gekauft um sie umzunähen, und auch das ein oder andere Teil komplett geschneidert, dazu fehlt mir aber im Moment die Zeit und die Geduld. 

Nadja: Wie stehst du zur Nachhaltigkeit in der Mode?

Felicitas: Ich kaufe und verkaufe Kleidung im Internet oder auf Flohmärkten. Inzwischen suche ich auch aktiv nach Fair Fashion Labels, ehrlich gesagt habe ich da aber noch nicht das richtige gefunden. Für Basic-Teile kein Problem, aber ausgefilippte Teile müssen einem zufallen. Da der Markt für Fair Fashion leider noch nicht so groß ist, sind die Designs eher angepasst. Kommt mir zumindest so vor. Um Abwechslung in den Kleiderschrank zu bekommen tausche ich Kleidung mit meinen Schwestern. Neulich hatte ich ein Kleid meiner Mutter an, was schon ihre Mutter getragen hat. Ein Missoni Wickelkleid, zeitlos schön und passt auch größenübergreifend. Ich finde es wichtig Verantwortung für die eigene Kleidung zu übernehmen, das schließt Socken stopfen und Nähte reparieren mit ein, nur so hat man lange was von seinen Sachen. Auch wenn man mal die Kleidergröße wechselt muss man nicht die komplette Garderobe wechseln – ein extra Knopf hier, eine neue Naht dort.

Nadja: Super Einstellung! Und tolles Interview! Danke liebe Feli!

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