„Ghetto chic“

‚Saharcurlyk‘, so nennt sich die 34-jährige Make-Up Artistin auf Instagram. Ihre Lockenmähne ist in der Berliner Szene bekannt – ihr Markenzeichen. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Neukölln, hat die Stadt sie geprägt und großgezogen. Nach dem Abitur hat Sahar eine Kosmetik und Make-Up Ausbildung begonnen und zählt nun gefühlt halb Berlin zu ihrem Kundenstamm. In der Droysenstraße in Charlottenburg lassen sich vor allem Frauen die Augenbrauen in Form bringen oder für bestimmte Anlässe schminken und zurecht machen. Wie sie über die Berliner Mode Szene denkt, beantwortet Sahar uns ehrlich und knackig in einem kurzem Interview. 

Sahar, wie würdest Du den Stil der Berliner beschreiben?

Die Leute sehen verkleidet aus. Nichts passt zueinander. In Mitte und Neukölln laufen Sie mit Latschen und Socken rum, dann sehen Sie jetzt wieder wie in den 80er Jahren aus,  tragen Brillen ohne Gläser. Das wirkt einfach lächerlich. Das sind die Möchtegern Styler aus Zehlendorf, denen sowas aber einfach nicht steht und passt, oder Möchtegern Berliner, die meinen Berlin sei so. Berlin hat keinen Style.

Wie würdest Du deinen persönlichen Stil beschreiben?

Ich habe unterschiedliche Styles. Je nach Lebenslage ziehe ich mich anders an. Von HipHop bis Elegant über Punk – ich kann nicht nur eins sein. Ich fühle mich in jedem Stil wohl, je nach Lust und Laune.

Was willst Du mit deinem Kleidungsstil ausdrücken?

Vor allem wie ich mich fühle, wie andere mich wahrnehmen sollen. Wenn ich beispielsweise mies drauf bin, ziehe ich mich „gangstamäßiger“ an, dann fühl ich mich sicherer und stärker. Für einen Mädchenabend hole ich dann aber auch gerne meine „Girlie“ Kleidung aus meinem Schrank. Auch für einen eleganten Abend hab ich immer was parat und fühle mich in allem wohl, solange es zu meiner Stimmung und zu meinem Wohlbefinden passt.

 

Wie bist Du zu deinem Stil gekommen?

Dadurch, dass ich in Neukölln zur Schule gegangen bin, hat mich das Ghetto-Leben beeinflusst. Durch diesen Bezirk bin ich zu meinem Style gekommen, den ich „Ghetto chic“ nenne. Große Ohrringe, geile Sneakers, es gibt keine No-Go’s. Muster werden gemixt, weite mit enger Kleidung, mal ein Griff in die Männerabteilung, jegliche Stoffarten, Altes mit Neuem. Hauptsache ist, dass es immer noch eine Harmonie in sich hat. Dass ich das so tragen kann, verdanke ich aber auch meinen persischen Wurzeln, sowas sieht oft an dunkelhäutigen Menschen einfach besser aus, als an Deutschen beispielsweise. Sorry… 😉

 

Was genau gehört zum „Ghetto chic“ für dich?

Ghetto chic bedeutet für mich, Stile miteinander zu kombinieren. Elegant gemixt mit HipHop Klamotten oder etwas Punkmäßiges. Es bedeutet zum Beispiel eine schicke Seidenbluse, mit einer bunten Leggings zu kombinieren, dazu crazy Sneakers und dann Accessoires von unten bis oben, egal ob Gold oder Glitzer.

Was ist dein Lieblingskleidungsstück? Und von welchem kannst Du nicht genug haben?

Ich bin ein Fan von Jumpsuits. Die kann man einfach immer und überall tragen und entweder sportlich oder schick kombinieren. Sie bieten viel mehr Möglichkeiten als man so einem Einteiler zumuten mag. Genug kann ich niemals von Sneakers bekommen. Sie werten jedes Outfit auf, egal ob du nur Bock auf Schwarz an diesem Tag hast, ein süßes Sommerkleid trägst oder auch businessmäßig unterwegs bist- Sneaker gehen immer, solange sie gepflegt aussehen.

Musst Du dich manchmal bremsen bei deiner Outfit Auswahl?

Ja, bei den Accessoires. Vorallem bei Ohrringen, da tendiere ich zu übertreiben.

Wirst Du manchmal schräg angeguckt?

Gucken tun die Menschen schon. Aber nicht abwertend, immer positiv. Außerdem werde ich oft angesprochen, bekomme Komplimente oder werde gefragt wo ich manche Teile her habe.

Gibt es eine Stadt die Du für ihren Stil feierst?

Ja, Tokio. Dort gibt es Sachen die keiner hat. Besser gesagt, die Menschen dort trauen sich alles zu tragen. Da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Super kreative Outfits und immer on point. Das würde ich mir auch mehr von den Europäern oder der Allgemeinheit wünschen. Lieber over-the-top als Einheitsbrei.

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