Zwischen Pariser Bistro und Wiener Kaffeehaus

In dem kleinen Abschnitt, zwischen Uhland- und Fasanenstraße, nur 10 Minuten vom berühmten Ku’damm entfernt, findet sich das kleine Café Manzini.

Sofort beim Betreten des Diners fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt. Mit einer Mischung aus Pariser Bistro und Wiener Kaffeehaus wirkt es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Große Lederbänke, Tische mit Stoffservietten und Kellner in weißen Hemden und schwarzen Westen – ich fühle mich wie in einem alten Hollywood Film. Ein Ambiente, das man in den Zeiten von Coffee to go Filialen an jeder Ecke nur noch selten findet. Beim ersten Umschauen fällt sofort auf, dass viele Leute alleine hierher kommen. Ältere oder außergewöhnliche Menschen, die aussehen, als wären auch sie aus einem Film entsprungen, finden sich hier zusammen. Eine Frau mit pompösem Fellmantel und rot gefärbten Haaren sitzt mit ihren zwei Windhunden, die ebenfalls in extravaganten Mänteln gekleidet sind, in einer Ecke und genießt ihren Kaffee. Die Kellner eilen in ihren schwarzweißen Uniformen umher und ein Mann mit Anzug und Gehstock lässt sich an diesem Samstagmorgen sein Frühstück schmecken. Das Publikum im Manzini ist das Wilmersdorfer Bildungsbürgertum, welches sich hier zu einem Plausch über die letzte Ausstellungseröffnung trifft oder sich schweigsam hinter ihrer FAZ versteckt. Man sitzt hier auf langen Lederbänken, an kleinen Tischen oder für gemütliche Stunden auch in kleinen separaten Nischen. Die ganze Wand entlang klemmen, hinter einer goldenen Reling, Zeitungen für jeden Gast zum Lesen verfügbar. Die Decke und Wände des gesamten Restaurants sind in Gold gehalten, die Tische sind aus roten Marmorplatten und große Kronleuchter aus echtem Muranoglas hängen von der Decke. An den Wänden sind abwechselnd Spiegel mit dicken Goldrahmen sowie schwarzweiß Fotografien angebracht. Die Kaffeemühle rattert vor sich hin, der Milchaufschäumer zischt, im ganzen Raum duftet es nach frisch gemahlenem Kaffee und aus den Boxen tönt klassische Musik. Sowohl das Ambiente als auch das Klientel des Manzini versetzt einen für die kurze Zeit des Aufenthalts in eine andere Welt.

 

Seit 1995 gibt es das Manzini nun schon in der Ludwigskirchstraße in Wilmersdorf. Es wurde vom ehemaligen Mitinhaber des berühmten Einstein Cafés in der Kurfürstenstraße eröffnet und ist nun, nach mehrmaligem Besitzerwechsel, seit 2010 in Besitz von Hüsnü Erdogdu. Für ihn steht das Angebot an Speisen und Getränken in höchster Qualität im Mittelpunkt. Was für das Essen gilt, gilt im Manzini auch für den Service. Die Kellner geben sich alle Mühe, den Aufenthalt zu einem unvergesslichen, angenehmen Erlebnis zu machen. Frühstück gibt es ab 8 Uhr und wird für Feierwütige oder Langschläfer den ganzen Tag durchgehend angeboten. Doch nicht nur Kaffee und Frühstück wird in dem kleinen Diner in der Ludwigkirchstraße serviert, auch internationale Küche mit wechselnden Gerichten, wie Wiener Schnitzel, Safranrisotto mit Scampi, Fischsuppe, sowie das für das Manzini berühmte Clubsandwich machen den Aufenthalt zu jeder Tageszeit zu einem Erlebnis. Die Köche des Manzini vereinen hier Traditionelles mit Moderne, europäische mit asiatischer Küche und saisonale Gerichte. Ihrer Fantasie kann nur der Gast mit seinem Geschmack Grenzen setzen. Bei Sonnenschein kann man vor dem Diner auf der Terrasse sitzen und das entspannte Treiben des vornehmen Viertels beobachten. Ein Café, eigentlich ganz und gar untypisch Berlin und trotzdem für jeden, der einmal in diese Stadt kommt, einen Besuch wert.

2 Kommentare zu „Zwischen Pariser Bistro und Wiener Kaffeehaus“

  1. Kommt sofort auf die To-Do-Liste für meinen nächsten Berlin-Besuch im September! Bin schon gespannt auf das Safranrisotto mit Scampi. Scheint auf jeden Fall ein sehr außergewöhnliches Diner zu sein, das ich mir dank deiner detaillierten Beschreibung genau vorstellen kann. 🙂

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  2. Beim Lesen das Artikels bekommt man direkt Lust auf einen Kaffee. Als Wienerin freut es mich besonders, dass es so ein Diner gibt. Jetzt weiß ich, wo ich hingehen muss, wenn ich in Berlin Heimweh bekomme 🙂 Danke für den Tip!

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