Das kunterbunte Schwarze Café

Kantstraße, Berlin-Charlottenburg. Das Schwarze Café. Eine kleine unauffällige schwarze Tür, daneben ein Fenster mit schwarzem Rahmen. Ein paar kleine Tische mit leeren Stühlen stehen noch vor dem Eingang. Eigentlich unauffällig, prangte da nicht ein bunt leuchtender Neon-Papagei am Fenster. Wagt man einen Schritt durch die schwarzen Pforten, wird aus dem von außen dezenten, ein belebtes Café welches zugleich Restaurant und Bar ist. 

Seit 1978 gibt es das 24/7 geöffnete Café, anfänglich als alternatives Künstlercafé der Linken Szene. Daher auch das anarchistische „Schwarz“ im Namen. Früher bestand das Publikum hauptsächlich aus Linken. Aus dem Plattenspieler dudelte die Neue Deutsche Welle oder heftiger Schlager der „Einstürzenden Neubauten“. Aber auch Musiker und Schauspieler trafen sich in dem Künstlercafé, unter anderem der Musiker Rio Reiser und Schlagersängerin Marianne Rosenberg, die dem Café sogar eine Jazz-Ballade widmete. 

Heute dudelt hier ein gediegener Smooth Jazz. Auch das Publikum ist nicht mehr dasselbe wie damals. Von 16 bis 70 Jahren ist hier alles dabei, ob zum Frühstück oder als Nacht-Asyl. Pärchen, die sich in der selben Nacht erst kennengelernt haben und jetzt ihr Frühstück um 5 Uhr morgens essen, während eine fröhliche Runde seit Stunden ein Bier nach dem anderen zischt. Egal ob morgens in den Klamotten von letzter Nacht, abends im Anzug oder tagsüber im Schlafanzug, verurteilt wird hier keiner. 

Von außen wirkt der Laden eher klein. Auch innen ist nicht viel Platz für Besucher. Erst ein schmaler, unauffälliger Gang am Tresen vorbei, hinauf in großzügige Räumlichkeiten zeigt das Herz des Cafés. Hier ist Platz für jeden von 6 bis 6 Uhr. Das Charakteristische an dem Café – Schrägstrich Restaurant – Schrägstrich Bar – sind nicht nur die Öffnungszeiten und das Multi-Kulti Publikum. Wirft man einen Blick auf die Holztische, die sowohl im Erdgeschoss als auch im 1. Stock stehen, erkennt man Einkerbungen im Holz. Guckt man noch genauer hin, entziffert man eingeritzte Namen und Daten die verewigt wurden. Szenische Wandbemalungen und Poster zieren Backsteinwände, farbige und schlichte weiße Wände. Optisch ist das Lokal mit seiner facettenreichen Inneneinrichtung sehr ansprechend und an jeder Ecke wird etwas neues entdeckt. 

Abgesehen von Kaffee trinken und Bierchen zischen wird auch gerne gegessen. Neben einer großen Auswahl an Frühstück gibt es auch warme Gerichte für mittags und abends. Wer etwas deftiges will, ist beim Lammcurry mit Reis für 14,20 € und Senfei mit Kartoffeln für 8,20 € in guten Händen. Auch für den kleinen Hunger oder als Grundlage für den bevorstehenden Abend ist gesorgt. Als kleine Speisen werden unter anderem gebratene Maultaschen mit Gemüsefüllung (8,50 €) und acht klassische Bruschetta (4,80 €) empfohlen. Mit Milkshakes, Eis und Desserts kommen auch die Süßen auf ihre Kosten. 

Auch als Bar punktet das Schwarze Café. Von Wein & Champagner über Whiskey & Cognac bis hin zu Cocktails. Die Preise liegen in einem normalen Rahmen und lassen auf alle Fälle Geld über,  falls der ein oder andere noch weiterziehen will. 

Das Schwarze Café. Ein Treffpunkt für jeden, rund um die Uhr in jeder Lebenslage. Stammkunden und auch Neuzugänge schätzen das Café – das mit seinem Namen an die anarchistischen Anfänge Ende der 70er Jahre erinnert – aufgrund der Öffnungszeiten und der Möglichkeit, Tag und Nacht frühstücken zu können, auch ohne Kaffee aber dafür mit einem Whiskey. Ein Spot an dem Welten aus Ost, West, Nord und Süd zusammentreffen und jeder individuell seinen Abend starten oder den Morgen ausklingen lassen kann. 

 

Fotos: Can

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