„Ein bisschen Charme hat Provokation immer!“

Für sein Mode Design Studium ist Lukas Burkia aus Südtirol nach München gezogen. Er kleidet sich sehr stilvoll, experimentiert mit der Mode – und provoziert auch gerne. Was verbindet er mit München? Welche Einflüsse hat sein eigener Stil? Antworten auf diese Fragen bekam ich in einem Restaurant in der Leopoldstraße, in dem ich mich mit Lukas traf. Zwischen Pommes und Waldbeerlimonade unterhielten wir uns über München, Südtirol, Mode und Stil.

Mery: Du kommst aus Südtirol. Hatte Italien damit einen Einfluss auf deinen persönlichen Stil? Würdest du deinen Stil auch als italienisch bezeichnen?

Lukas: Ich glaube schon, dass der Herkunftsort immer einen großen Einfluss auf alles hat, was man tut, und damit auch, auf was ich trage. Seit ich mich für Mode interessiere, unterscheidet sich mein Stil aber von dem Ort, wo ich herkomme.

Mery: Wie meinst du das genau?

Lukas: Es gibt in Südtirol zwar mittlerweile sehr viele modebewusste Menschen, aber es gibt auch noch eine große Masse, die sich nicht für Mode interessiert.

Mery: Jetzt wohnst du ja in München. Gibt es hier Orte, an denen du gerne und oft bist?

Lukas: Ich bin gerne hier in der Gegend in der Leopoldstraße und in der ganzen Zone um den Odeonsplatz. Ich mag diese Umgebung sehr gerne. Natürlich sind da die ganzen Luxusboutiquen, aber dort sind auch sehr schöne Cafés. Ich fühle mich dort einfach wohl und ich treffe mich hier auch gerne mit Freunden, z.B. im Café Luitpold, ein sehr poshes Café. Auch das Café Glockenspiel liebe ich, am Marienplatz.

Mery: Magst du den Münchener Stil? Wie würdest du ihn beschreiben?

Lukas: Ich finde es in München sehr schön, dass so viele verschiedene Stile aufeinander treffen. Zum einen ist es eine sehr wohlhabende Großstadt, man spürt den Luxus, auch an den Klamotten, die man auf der Straße sieht; und zum anderen ist es trotzdem noch ein bayerisches Nest, wo auch viele Menschen so gekleidet sind wie in einem bayerischen Dorf. Man sieht Leute mit den neuesten Styles aus Paris und Mailand neben Leuten, die mit Salomon Schuhen durch die Stadt laufen und mit ihren Adidas Rucksäcken in den Kaufhäusern herumrennen. Und das finde ich sehr charmant an einer Stadt! München ist erkennbar eine Großstadt, durch ihr ganzes Wesen, und trotzdem hat sie irgendwie diesen familiären Charakter und das finde ich sehr schön. Mein Stil hat sich, glaube ich, auch weiterentwickelt, seit ich in München bin. Das hat mit meinem Studium und den vielen neuen Erfahrungen zu tun. Aber ich trage den gleichen Stil, den ich in München trage, auch zu Hause in Südtirol, da mache ich keinen Unterschied. Aber natürlich hat meine Zeit in München meinen Stil auch geprägt.

Mery: Du meintest, man erkennt, dass München wohlhabend ist. Viele sehen auch vor allem das, wenn sie an München denken und Vorurteile über den typischen langweiligen und reichen Münchner bilden sich. Wie stehst du dazu?

Lukas: Ich finde es überhaupt nicht langweilig! Ich liebe München, auch wenn ich nicht für immer hier leben möchte. Die Stadt hat mich schon in jungen Jahren immer fasziniert und ich bin gerne nach München gefahren. Ich glaube auch, dass die Stadt immer eine wichtige Rolle für mich spielen wird und dass ich immer wieder nach München kommen werde, weil es, von mir aus gesehen, auch das Zentrum der High Fashion in Deutschland ist. Deswegen bin ich gerne hier, denn ich mag den Stil. Die Stadt ist etwas ganz Besonderes und ich denke, wenn man sich länger hier in München aufhält, merkt man auch, dass es nicht nur diese reichen Leute gibt.

Mery: Aber trotzdem hat das Reiche, Gehobene seinen Charme für dich?

Lukas: Ja! Eine gehobene Vielfalt! Ich glaube auch, dass alle Menschen, die hier leben, inspiriert sind, sich besser zu kleiden und besser auf sich zu achten, denn in dem Moment, wo man sich in guter Gesellschaft befindet, gibt man sich ja auch Mühe und achtet darauf, wie man sich nach außen hin präsentiert und ich glaube, dass das sehr viel für München tut und den Kleidungsstil und den Stilcharakter der Stadt sehr mitprägt.

Mery: …im Gegensatz zu anderen deutschen Städten? Hat München da eine Sonderrolle?

Lukas: Eine Sonderrolle nicht. Ich glaube zum Beispiel, München und Düsseldorf sind sich sehr ähnlich, und ich glaube, dass auch Hamburg mittlerweile eine sehr gehobene Schicht hat. Ich glaube, München, Hamburg und Düsseldorf sind schon Zentren der gehobenen Mode.

Mery: Interessant! Wenn wir mehr auf deinen eigenen Stil eingehen: Du studierst Mode Design und Designer wie Karl Lagerfeld und Maria Grazia Chiuri inspirieren dich. Gibt es auch Menschen, die dich in deinem persönlichen Stil inspirieren?

Lukas: Es gibt immer wieder diese Personen, aber es sind immer unterschiedliche Leute. Mein Stil setzt sich immer zusammen aus „Wie bin ich heute drauf?“ und dann nehme ich mir noch etwas vom Laufsteg. Also schaue ich mir viele Laufstegschauen an, schaue die Magazine durch und nehme davon die Inspiration. Je nachdem, wie ich mich dann fühle, nehme ich mir die ersten Teile aus dem Kleiderschrank und versuche das dann zu kombinieren mit etwas, das mir gefällt und das ich eventuell irgendwo gesehen habe – meistens kann ich es selbst nicht mehr zuordnen. Ich sehe manchmal auch Leute auf der Straße und denke mir „Das musst du morgen ausprobieren!“. Manchmal wundere ich mich im Laufe des Tages selbst, was ich mir da heute morgen gedacht habe. Wenn man sich konsequent mit Kleidung ausdrücken will, müsste man sich auch mehrmals am Tag umziehen!

Mery: Ist es dir auch schon mal passiert, dass du mit deinem Stil angeeckt bist?

Lukas: Das weiß ich nicht, beziehungsweise hab ich es nie so empfunden. Hier in München zumindest nie. Ich glaube hier kann man sowieso tragen, was man will. Ich glaube nicht mal, wenn man nackt rumläuft, wäre das etwas Besonderes – da drehen sich vielleicht zwei Leute um. Wenn man durch die belebte Kaufingerstraße läuft, interessiert das keinen Menschen. Natürlich merkt man manchmal Blicke – aber ich finde Blicke nie schlecht. Aufmerksamkeit ist meiner Meinung nach die letzte große Ressource die man heute noch haben kann. In unserer Zeit, wo es so viele Attraktionen gibt und alles blinkt und leuchtet, ist es das Besonderste, wenn dir ein Mensch Aufmerksamkeit schenkt. In Südtirol ist es anders. Da merke ich viel mehr Blicke. Ich komme aus keiner Stadt, sondern aus einem Dorf in Südtirol – das ist dann schon nochmal was Anderes. Aber ich finde das total spannend, meinen Stil bis in die norditalienische Provinz durchzuziehen und dann auch am Sonntag in der Kirche von ganz hinten bis ganz vorne bei der Kommunion zu gehen und meinen Stil wie auf einem Laufsteg vorzutragen!

Mery: Auch um zu provozieren?

Lukas: Ein bisschen Charme hat Provokation immer. Es ist schade, dass ich hinten keine Augen habe! Ich versuche mich aber mit Leuten zu umgeben, die mir gut tun, und die ermutigen mich auch, so weiterzumachen. Ich denke: Man muss sich einfach wohlfühlen und authentisch sein, dann kann man anziehen was man will und die Leute werden erkennen dass das einfach zu der Person passt.

Mery: Ein schönes Schlusswort! Da kann ich dir nur zustimmen. Danke dir!

5 Kommentare zu „„Ein bisschen Charme hat Provokation immer!““

  1. Tolles und spannendes Interview! Besonders gut hat die Überlegung gefallen, dass man sich täglich mehrmals umziehen müsste, wenn man sich konsequent mit seiner Kleidung ausdrücken will. Darüber hatte ich noch nie so intensiv nachgedacht. Freue mich jetzt schon sehr auf Lukas´ Abschlusskollektion und bin gespannt, ob er seinem persönlichen Stil treu bleiben, oder diesen die nächsten Jahre noch verändern wird 🙂

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  2. Sehr spannendes Interview! Ich finde auch, dass München sich stiltechnisch zwischen Luxus-Großstadt und bayrischem Dorf bewegt, die Menschen sich hier trotzdem schon mehr Mühe geben, sich gut zu kleiden, was der Modevielfalt auf jeden Fall gut tut. Schön zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die so denkt! 🙂

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  3. „Aufmerksamkeit ist meiner Meinung nach die letzte große Ressource die man heute noch haben kann.“ Muss ich mir merken! Sehr schönes und lebhaftes Interview. Bei dem Gespräch wäre ich gerne dabei gewesen. Die „Augen hinten“ nicht zu haben sehe ich als Fluch und Segen zugleich!

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